Environmental Product Declaration (EPD): Warum belastbare Umweltdaten heute unverzichtbar sind
Wie umweltfreundlich ist ein Produkt wirklich – und wie lässt sich das objektiv, vergleichbar und glaubwürdig belegen? Um die Umweltwirkung von Produkten und Dienstleistungen transparent kommunizieren und vergleichen zu können, ist ein einheitliches und allgemein anerkanntes Format zur Datenaufbereitung nötig. Damit sollen Umweltdaten öffentlich zugänglich gemacht werden, ohne jedoch sensible Produktinformation preisgeben zu müssen. Dieses Insight widmet sich der Environmental Product Declaration (EPD) als weltweit anerkanntes Dokument zur kompakten Darstellung verifizierter Umweltdaten. Erfahren Sie wie eine EPD aufgebaut ist, welche Phasen in der Erstellung zu durchlaufen sind und welchen konkreten Mehrwert sie für Unternehmen bietet.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Environmental Product Declaration (EPD) ist ein standardisiertes Dokument, das extern geprüfte Umweltinformation zu Produkten oder Dienstleistungen transparent darstellt.
- Unternehmen können damit glaubwürdig Umweltdaten kommunizieren, ohne gleichzeitig sensible Produktinformationen preisgeben zu müssen.
- EPDs ermöglichen die Teilnahme an zahlreichen öffentlichen Ausschreibungen und institutionellen Aufträgen, die zunehmend Umweltnachweise voraussetzen.
- Die methodische Grundlage bietet ein Life Cycle Assessment (LCA), dessen Ergebnisse zusammengefasst, extern geprüft und veröffentlich werden.
- EPDs basieren auf anerkannten Normen und Regularien, die den effektiven Vergleich von Produkten hinsichtlich deren Umweltwirkung ermöglichen.
Environmental Product Declaration (EPD): Einfach erklärt
Begriffe wie „klimaneutral“, „nachhaltig“ oder „umweltfreundlich“ stehen zunehmend unter rechtlichem und öffentlichem Prüfstand. Unternehmen stehen damit vor der Herausforderung, Umweltwirkungen objektiv, transparent und vergleichbar nachzuweisen – ohne dabei sensible Produkt‑ oder Prozessinformationen offenzulegen. Genau hier setzt die Environmental Product Declaration (EPD) an.
Eine Environmental Product Declaration (EPD) ist eine Typ‑III‑Umweltdeklaration, die quantitative und verifizierte Umweltinformationen eines Produkts oder einer Dienstleistung in einer standardisierten Form öffentlich bereitstellt. Die dahinterliegenden Daten stammen aus einer vollständigen Ökobilanz (LCA), die die Basis jeder EPD darstellt. Die Ergebnisse der Bilanzierung werden kompakt zusammengefasst, extern geprüft und veröffentlicht. Das Format orientiert sich dabei an Datenschutzvorgaben, so dass keine sensiblen Informationen zum untersuchten System preisgegeben werden müssen.
EPDs stellen ein Instrument zur transparenten und geprüften Dokumentation von Umwelteinflüssen eines Produkts dar. Als solche ermöglichen sie den glaubhaften Nachweis von Nachhaltigkeit und den effektiven Vergleich von Produkten mit ähnlicher Funktion. Darüber hinaus erlauben EPDs vielfach die Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen und Vergabeprozessen aller Art, die transparente Umweltnachweise als Teilnahmekriterium erfordern. Das betrifft in erster Linie die Baubranche, doch auch andere Industrien zeigen einen rasch zunehmenden Bedarf an EPDs.
Überblick Regulatorischer Rahmen von EPD
Um weltweit anerkannt und vergleichbar zu sein, basieren Environmental Product Declarations auf international gültigen Normen und Regelwerken. Die methodische Grundlage bildet die ISO 14025 für Typ‑III‑Umweltdeklarationen. Die zugrundeliegende Ökobilanz muss den Anforderungen der ISO 14040 und ISO 14044 entsprechen. Ergänzend regeln sogenannte Product Category Rules (PCRs), wie Produkte einer Kategorie zu bilanzieren sind, um Vergleichbarkeit sicherzustellen.
Unterschiede zwischen den Umweltdeklarationstypen
Als Typ-III-Umweltdeklaration unterscheidet sich eine EPD grundlegend von anderen Formen der Umweltkennzeichnung. Die verschiedenen Deklarationstypen haben unterschiedliche Zielsetzungen und Aussagekraft:
- ISO Typ-I basieren auf vordefinierten Kriterienkatalogen und vergibt Umweltzeichen oder Labels (z. B. klassische Umweltkennzeichen). Die Bewertung erfolgt qualitativ und meist in Form einer Ja‑/Nein‑Entscheidung.
- ISO Typ-II umfasst freiwillige Umweltaussagen von Herstellern. Diese Selbsterklärungen sind nicht verpflichtend extern geprüft und weisen daher eine eingeschränkte Vergleichbarkeit und Verlässlichkeit auf.
- ISO Typ-III (EPD) hingegen liefern produktspezifische und extern geprüfte Umweltkennzahlen im Rahmen von Umwelt-Produktdeklarationen. EPDs verzichten bewusst auf eine Klassifizierung oder Bewertung und stellen stattdessen geprüfte Daten in standardisierter Form zur Verfügung.
Damit sind Environmental Product Declarations keine “Gütesiegel“ verwendet als Marketinginstrument, sondern datenbasierte und verifizierte Informationsinstrumente, die insbesondere für Fachanwender:innen, Planer:innen, Ausschreibungen und vergleichende Bewertungen konzipiert sind.
Abgrenzung zu EPIs: Warum EPDs verlässlicher sind
Klar von EPDs anzugrenzen sind Environmental Product Informations (EPI), im Deutschen auch als Umweltproduktinformation bezeichnet. Die liefern ebenfalls Umweltangaben, unterliegen jedoch weniger strengen Kriterien als eine EPD. EPIs sind nicht normiert, müssen weder auf vollständigen LCAs basieren, noch extern verifiziert werden. Die Qualität und Aussagekraft von EPDs ist damit deutlich höher einzuschätzen als die von EPIs.
Mehr als nur CO₂: Das ganzheitliche Umweltprofil einer EPD
Häufig werden EPDs auch mit Carbon Footprint Berechnungen oder CO2-Labels gleichgesetzt – das ist jedoch zu kurz gegriffen. Zum einen ist eine EPD – wie bereits geschildert – kein Label, das einzelne Aspekte der Produktqualität bewertet, sondern vielmehr eine sachliche und wissenschaftlich fundierte Zusammenfassung der zugehörigen Umweltwirkung. Zum anderen beschränkt sich eine EPD nicht nur auf den Carbon Footprint, sondern berücksichtigt eine Vielzahl weiterer Wirkungskategorien (z.B. Versauerung, Ressourcenverbrauch, etc.). EPDs stellen somit ein ganzheitlichen Umweltprofil dar, inklusive der Treibhausgasemissionen.
EPD‑Programme und Organisationen: Wer EPDs prüft, verwaltet und veröffentlicht
Zur Strukturierung, Prüfung und Veröffentlichung existieren unterschiedliche EPD-Programme, die von verschiedenen Organisationen weltweit betrieben werden. Diese Programmbetreiber übernehmen eine zentrale Rolle im EPD‑System, da sie die methodische und formale Qualitätssicherung gewährleisten.
Sie entwickeln und verwalten Product Category Rules (PCRs), stellen die Konformität mit den zugrunde liegenden Normen (z. B. ISO 14025, EN 15804) sicher, organisieren die unabhängige Drittprüfung und bieten Plattformen zur Veröffentlichung der verifizierten EPDs.
Einige der wichtigsten EPD-Programmbetreiber sind:
- International EPD System (Environdec): weltweit anerkannte Institution mit Sitz in Schweden. Umfasst alle Arten und Branchen.
- UL Solutions: internationaler Programmbetreiber mit starkem Fokus auf Nordamerika.
- Institut für Bauen und Umwelt e.V. Deutschland (IBU): zentraler Programmbetreiber für Bauprodukte aus Deutschland
- Institut für Fenstertechnik (ift Rosenheim): exemplarischer Programmbetreiber für Sonderbranche mit Fokus auf Fenster und Fassadenelemente
Neben diesen Programmen existieren weitere nationale und branchenspezifische Initiativen, die auf bestimmte Märkte oder Produktgruppen fokussiert sind.
Normen, Standards und PCRs: Wie Vergleichbarkeit wirklich entsteht
EPDs entfalten ihren Nutzen erst dann vollständig, wenn ihre Inhalte nicht nur transparent, sondern auch systematisch vergleichbar sind. Entscheidend dafür ist das Zusammenspiel verschiedener Normen, branchenspezifischer Standards und produktspezifischer Regeln, die den methodischen Rahmen einer EPD präzise festlegen und konsistente Ergebnisse sicherstellen.
Der formale Rahmen von EPDs
Während die grundlegenden Normen den formalen Rahmen für EPDs definieren, sorgen weitere Standards und Regelwerke dafür, dass Umweltinformationen innerhalb einer Produktkategorie tatsächlich vergleichbar sind.
EPDs sind durch eine Reihe von Normen und Vorgaben spezifiziert, die Standardisierung und Vergleichbarkeit innerhalb von Produktkategorien sicherstellen sollen.
Internationale Normen als Grundlage
Als regulatorische Basis gilt die ISO-Normenreihe 14000, die Umweltmanagementsysteme aller Art umfasst. Während ISO 14020 innerhalb dieser Reihe generelle Prinzipien zu Umweltkennzeichen und -labes festschreibt, definiert ISO 14025 Typ-III Umweltdeklarationen im Detail. Darin werden Grundsätze und Inhalt von EPDs für alle Arten von Produkten allgemein festgelegt. Als Grundlage einer EPD dient stets eine vollständige Ökobilanz (LCA) nach ISO 14044. Die Angaben in den genannten Normen lassen reichlich Spielraum für detaillierte Ausgestaltung, um unterschiedlichen Anforderungen je Produktkategorie und Anwendungsfall Rechnung zu tragen. Daher sind weitere Regelwerke notwendig, um einheitliche Strukturen und Vergleichbarkeit innerhalb von Produktkategorien zu garantieren.
Branchenspezifische Standards im europäischen und internationalen Kontext
Ein zentrales Dokument im europäischen Raum ist die DIN EN 15804, die Grundregeln für Umweltdeklarationen von Bauprodukten festlegt. In internationalen und amerikanischen Studien wird alternativ auch ISO 21930 genutzt. Die Baubranche nimmt eine besondere Stellung ein, da sie als erste besonderen Fokus auf die Zertifizierung als Grundlage für nachhaltiges Bauen (Green Building) legte. Die meisten heute existierenden EPDs beziehen sich auf Bauprodukte. Auch in anderen Branchen zeigt sich jedoch eine rasch wachsende Nachfrage nach transparentem Reporting von Umweltauswirkungen.
Product Category Rules (PCRs): Sicherstellung der Vergleichbarkeit
Konkrete Vorgaben, wie LCAs und EPDs innerhalb einer Produktkategorie auszusehen haben, werden durch Produktkategorie-Regeln (Product Category Rules, PCRs) getroffen. Diese existieren innerhalb der unterschiedlichen EPD-Programme und werden in einem offenen, transparenten und verifizierten Prozess durch Stakeholder einer relevanten Produktkategorie definiert. Breiter gefasste Haupt-PCRs können gegebenenfalls durch detailliertere Complementary PCRs (c-PCRs) für Untergruppen eines Produkts ergänzt werden. Sobald diese geprüft und finalisiert sind, sind PCRs öffentlich einsehbar und verpflichtend in der EPD-Erstellung einzuhalten.
Welche EPD passt zu welchem Zweck: Verschiedene Arten von EPDs
Je nach Untersuchungsumfang und Zielsetzung lassen sich unterschiedliche Arten von Environmental Product Declarations unterscheiden. Die Wahl des passenden EPD‑Typs beeinflusst Aussagekraft, Aufwand und strategischen Nutzen der Deklaration erheblich:
1. Einzelprodukt‑EPDs
Einzelprodukt‑EPDs beziehen sich auf ein konkretes Produkt eines Herstellers und bilden die aktuell häufigste Form von EPDs. Sie ermöglichen eine sehr präzise Darstellung der Umweltwirkungen und eignen sich besonders für Produkte mit klarer Abgrenzung und hohem Individualisierungsgrad. Einzelprodukt‑EPDs sind insbesondere dann sinnvoll, wenn Produkte gezielt in Ausschreibungen positioniert, verglichen oder im Rahmen von Gebäudezertifizierungen eingesetzt werden sollen.
2. Mehrprodukt‑EPDs
Mehrprodukt‑EPDs umfassen mehrere technisch und funktional ähnliche Produkte eines Unternehmens. Dabei werden Gemeinsamkeiten gebündelt und Unterschiede methodisch abgebildet. Sie bieten den Vorteil, dass Kosten und Aufwand bei der Zertifizierung mehrerer Produkte reduziert werden können, ohne vollständig auf produktspezifische Aussagekraft zu verzichten. Diese Form eignet sich besonders für Produktfamilien oder Serien mit vergleichbaren Materialien, Produktionsprozessen oder Anwendungsbereichen.
3. Branchen‑EPDs (industry‑wide EPDs)
Branchen‑EPDs beschreiben den durchschnittlichen Umweltfußabdruck eines Produkts innerhalb eines Marktes, basierend auf Daten mehrerer Hersteller. Sie werden häufig von Verbänden oder Interessensvertretungen initiiert. Branchen‑EPDs dienen vor allem als Referenz‑ oder Vergleichsgröße. Sie eignen sich weniger zur Differenzierung einzelner Anbieter, können jedoch insbesondere in frühen Planungsphasen oder bei fehlenden produktspezifischen Daten wertvolle Orientierung bieten.
Inhalte eines EPDs
Eine vollständige EPD besteht aus zwei zentralen Dokumenten: einem öffentlichen EPD-Dokument, sowie einem nicht-öffentlichen LCA-Report. Das öffentliche EPD-Dokument dient der transparenten Kommunikation von LCA-Ergebnissen und allgemeinen Produktinformationen, unternehmensinterne Hintergrunddaten werden jedoch nicht offengelegt und bewusst geschützt und. Der Aufbau des Dokuments folgt den zuvor angeführten Regularien und umfasst die folgenden Abschnitte
- Allgemeine Informationen zu relevantem EPD-Programm, genutzten Standards und Regularien, sowie den beteiligten Stakeholdern (Hersteller, Drittprüfung, LCA-Erstellung, etc.)
- Produktbeschreibung inklusive Produktbezeichnung und -abgrenzung, Funktion und Aufbau, Lebensdauer und Produktionsbedingungen
- LCA-Methodik inklusive zentraler Annahmen und Parameter in der LCA-Erstellung, Systemgrenzen und betrachteter Lebensabschnitte
- LCA-Ergebnisse dargestellt in standardisiertem Format inklusive Interpretation und Erklärung der Ergebnisse falls nötig
Im Gegensatz dazu ist der LCA-Report nur zur internen Dokumentation gedacht und nicht öffentlich einsehbar. Er enthält detaillierte Angaben zu Produkt, Produktionsverhältnissen und LCA-Berechnungen und wird als zentrales Dokument für die Verifikation der Ökobilanz durch Dritte herangezogen.
Die LCA-Ergebnisse als Kernelement einer EPD werden entlang mehrerer Wirkungskategorien erfasst. Die Vorgabe, welche Kategorien enthalten sein müssen, erfolgt durch EN 15805 bzw. die jeweiligen PCRs. Unter den zwingend anführenden Wirkungskategorienfinden sich etwa:
- Treibhausgasemissionen (Global Warming Potential), aufgeteilt in fossile, biogene und landnutzungsbezogene Emissionen.
- Ressourcenverbrauch unterteilt in fossile Energieträger sowie Mineralien und Metalle.
- Abfallerzeugung entlang der Kategorien nicht-gefährlich, gefährlich und radioaktiv.
- weitere Indikatoren wie etwa Versauerung, Ozonabbau und Wassernutzung.
Anwendung und Nutzen von EPDs
Als standardisiertes und datengestütztes Informationsinstrument sind EPDs das Standarddokument zur transparenten und objektiven Offenlegung von produktspezifischen Umweltinformationen. Als solches können EPDs vielfältig eingesetzt werden und spürbaren Mehrwert schaffen:
- Die vollständige Lebenszyklusanalyse als Basis einer EPD macht umweltrelevante Hotspots eines Produkts transparent sichtbar. Dadurch können Hersteller gezielt erkennen, in welchen Lebenszyklusphasen die größten Umweltwirkungen entstehen. Diese Erkenntnisse unterstützen die Optimierung von Materialien, Prozessen und Designs im Sinne einer nachhaltigeren Produktentwicklung.
- Als anerkannter und drittverifizierter Nachweis für die Umweltwirkung von Produkten, dienen EPDs der Erfüllung von Nachhaltigkeitsanforderungen und der Umweltzertifizierung. Insbesondere in der Baubranche werden EPDs weithin zur nachhaltigen Gebäudezertifizierung genutzt (LEED, BREEAM). Auch in anderen Industrien zeigt sich jedoch die wachsende Bedeutung von EPDs als kritische Anforderung in öffentlichen Ausschreibungen und Vergabeprozessen.
- Mithilfe einer EPD kann die glaubhafte Kommunikation von Umweltleistungen an Kunden und Stakeholder erfolgen. Als transparente und geprüfte Datenbasis ermöglicht sie datengetriebenes Umweltmanagement und stärkt somit das Vertrauen von Kundinnen und Kunden sowie Stakeholdern in Produkte und Prozesse.
- EPDs unterstützen nachhaltige Marketing- und Verkaufsstrategien, indem sie den effektiven Vergleich von Umweltwirkungen ähnlicher Produkte ermöglichen. Dadurch können sich Unternehmen gezielt am Markt positionieren und ihre Ansprüche durch datengestützte Zertifizierung untermauern.
Wer braucht eine EPD?
Durch ihren universellen Charakter und die standardisierte Darstellung von Umweltdaten sind Environmental Product Declarations für zahlreiche Akteure entlang der Wertschöpfungskette relevant. Sie dienen gleichermaßen als Entscheidungs‑, Vergleichs‑ und Nachweisinstrument:
Unternehmen und Hersteller
Unternehmen können EPDs für Produkte oder Dienstleistungen gezielt einsetzen, um Umweltwirkungen transparent zu analysieren, Verbesserungspotenziale zu identifizieren und Nachhaltigkeitsleistungen belastbar zu kommunizieren. Darüber hinaus unterstützen EPDs eine auf Daten basierte Produktpositionierung und transparente Marktkommunikation sowie die Erfüllung regulatorischer und marktseitiger Anforderungen, insbesondere in Ausschreibungen und Lieferketten.
Bauträger, Planer:innen und Architekt:innen
Insbesondere in der Baubranche nutzen Bauträger, Architekt:innen und Planungsbüros EPDs als Grundlage für die Auswahl nachhaltiger Bauprodukte und für Gebäudezertifizierungen (z. B. LEED, BREEAM). Für Hersteller ergibt sich daraus eine konkrete Chance, Produkte gezielt zu positionieren und in relevanten Projekten berücksichtigt zu werden.
Öffentliche Hand und Behörden
Regierungen und öffentliche Auftraggeber nutzen EPDs, um fundierte Regulierungen, Umweltstandards und Vergabekriterien zu entwickeln. Als geprüfte Datengrundlage ermöglichen EPDs eine objektive Bewertung von Umweltwirkungen im öffentlichen Beschaffungswesen.
Verbraucher:innen
Auch für Verbraucher:innen tragen EPDs zur Transparenz bei: Sie ermöglichen es, Umweltaspekte von Produkten besser nachzuvollziehen und Kaufentscheidungen auf einer sachlichen, geprüften Datenbasis zu treffen – insbesondere bei erklärungsbedürftigen oder langlebigen Produkten.
Investoren, Stakeholder und Lieferkettenpartner
Stakeholder und Investoren profitieren von EPDs als verlässlicher Input für Nachhaltigkeitsberichte, ESG‑Bewertungen und Lieferkettenanalysen. Produktbezogene Umweltdaten erhöhen die Nachvollziehbarkeit von Nachhaltigkeitsstrategien und unterstützen fundierte Investitions‑ und Risikoentscheidungen.
Erstellung und Verifizierung einer EPD
Die Erstellung einer Environmental Product Declaration ist mehr als reine Datensammlung. Sie beginnt mit strategischen Entscheidungen und führt über detaillierte Analysen bis hin zur unabhängigen Prüfung. Jeder Schritt baut auf dem vorherigen auf und sorgt dafür, dass die Umweltauswirkungen eines Produkts transparent und nachvollziehbar dargestellt werden. Die folgenden Phasen zeigen, wie aus ersten Konzepten eine verifizierte und veröffentlichte EPD entsteht.
1. EPD-Strategie und Konzeptionierung
Am Anfang einer EPD stehen grundsätzliche Entscheidungen über die Art der EPD, den Umfang der untersuchten Produkte, die genutzten Plattformen und Tools, sowie die mögliche Beauftragung von externen Expert:innen zur Unterstützung. Außerdem müssen die zutreffenden Normen und PCRs identifiziert und analysiert werden.
2. Life Cycle Assessment (LCA)
Sobald die Rahmenbedingungen für die EPD-Erstellung geklärt sind, erfolgt die Erstellung des Life Cycle Assessment als zentrale Datenbasis. Dazu werden häufig externe Parteien herangezogen, die mit Expertise und Softwaretools unterstützen. Wie im EFS Consulting Insight zu „Was ist Life Cycle Assessment“ beschrieben, folgt das LCA dabei vier Phasen:
- Definition von Ziel und Untersuchungsrahmen
- Aufstellung der Sachbilanz
- Wirkungsabschätzung
- Auswertung
Vorgehen und Ergebnisse des LCA werden in einem umfassenden LCA-Report dokumentiert, der in weiterer Folge als Basis für das EPD-Dokument dient.
3. Drittprüfung / Third Party Verification
Der fertige LCA-Report und der Entwurf der EPD-Dokuments werden daraufhin einer externen Prüfung unterzogen. Unabhängige Prüfstellen sichten die angegebenen Modelle und Ergebnisse und prüfen diese auf Konsistenz, Korrektheit und Erfüllung der Normen und Regularien. Zusammen mit den LCA-Verantwortlichen werden gegebenenfalls mögliche Verbesserungen identifiziert und umgesetzt. Schließlich erfolgt Verifikation der finalen Dokumente.
4. Veröffentlichung
Sobald die Verifikation abgeschlossen ist, kann der fertige EPD-Report veröffentlicht werden. Das Dokument wird dazu beim zugehörigen Programmbetreiber registriert und in öffentlichen EPD-Datenbanken gelistet. Nach Veröffentlichung ist eine EPD in der Regel 5 Jahre gültig, vorausgesetzt es erfolgen keine signifikanten Veränderungen in Produkt oder Produktion.
Die EFS Consulting Expert:innen klären auf: Warum EPDs regulatorisch immer relevanter werden
Neben freiwilliger Nachhaltigkeitskommunikation gewinnen EPDs auch im regulatorischen Kontext zunehmend an Bedeutung. Die wachsende Relevanz in dieser Hinsicht resultiert primär aus dem konsequenten Umbau des EU-Rechtsrahmens hin zu einer transparenten, datenbasierten Kreislaufwirtschaft. Durch Initiativen wie der europäischen Taxonomieverordnung, der neuen EU-Bauproduktenverordnung (BauPVO) und der Ökodesign-Verordnung (ESPR) werden Umweltkennzahlen schrittweise von einer freiwilligen Information zur verpflichtenden Marktzugangsvoraussetzung. Dazu kommen ergänzende nationale Gesetzgebungen, wie etwa das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG) in Deutschland, die den Bedarf nach EPDs weiter befeuern.
Für Unternehmen und Investoren sind EPDs damit ein entscheidender Schlüssel zu nachhaltiger Finanzierung, grüner Gebäudezertifizierung und der Erfüllung des Digitalen Produktpasses (DPP). Sie bieten Neutralität, Vergleichbarkeit und Transparenz und sind somit das Mittel der Wahl in der Dokumentation von produktbezogenen Umweltwirkungen.
Fazit
Die EPD-Erstellung ist ein komplexer, datengetriebener Prozess, der objektive und verifizierte Informationsunterlagen für die Nachhaltigkeit von Produkten bereitstellt. Dadurch können beteiligte Unternehmen interne Produktoptimierung vorantreiben, Nachhaltigkeit effektiv berichten und glaubwürdig vermarkten.
EFS Consulting unterstützt Sie mit fachlicher Expertise, langjährigem Industrie-Know How und umfassenden Software Tools – bei der Konzeption, LCA-Bilanzierung bis hin zur externen Prüfung und Veröffentlichung einer EPD.
FAQs
Was ist der Unterschied zwischen einer EPD und einem Umweltzeichen?
Während ein Umweltzeichen eine qualitative Produktbewertung entlang vorab definierter Kriterien darstellt, ist eine EPD ein quantitatives Dokument, das detaillierte Umweltauswirkungen basierend auf individuellem LCA beinhaltet. Eine EPD ist also deutlich umfassender und tiefgründiger als ein Umweltzeichen.
Wie lange ist eine EPD gültig?
Nach Prüfung und Veröffentlichung ist eine EPD im Regelfall 5 Jahre gültig. Sollte es in diesem Zeitraum zu signifikanten Veränderungen von Produkt oder Produktionsprozess kommen, ist eine Aktualisierung und erneute Beantragung nötig. Nach Ablauf von 5 Jahren muss die EPD in jedem Fall neu verifiziert und gegebenenfalls angepasst werden, um weitere 5 Jahre gültig zu bleiben.
Wer kann eine EPD erstellen?
Jedes Unternehmen kann eine EPD zu Produkten oder Dienstleistungen erstellen, die in seinem Einflussbereich liegen. Darüber hinaus können auch Branchen-EPDs von Behörden, Verbänden oder sonstigen Interessensgruppen durchgeführt werden. Benötigt werden dafür in erster Linie Know-How zur Einordnung in die Regularien, eine vollständige LCA-Bilanzierung sowie Fachpersonal für die Abstimmung mit der externen Prüfstelle.
Wie hängen EPD und LCA zusammen?
Life Cycle Assessment (LCA) bildet die methodische Grundlage jeder EPD und liefert die Umweltdaten zum betrachteten Produkt. Innerhalb einer EPD werden diese Daten dann in einem standardisierten Format komprimiert, extern verifiziert und veröffentlich, ohne dabei jedoch sensible Produktdaten preiszugeben.